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"Die Bornaer Jugend"
- Ein Heldenlied zum Abschied -

Drei Jahre sind 'ne lange Zeit,
die wir uns nun schon kennen.
Und schwupp, da isses schon soweit,
dass wir uns wieder trennen.

Am Anfang dacht ich: "Das wird heiter!",
kaum einer sagte einen Ton.
Zum Beispiel Philipp - der schwieg weiter,
zumindest lächelte er schon.

Ich kippte fast aus meinen Socken,
als Philipp Jugendabend hielt!
Zum Lachen konnt' er Massen locken,
als er bald darauf "das Geißlein" spielt.

Sein Bruder Alex zeigte eher,
was ihm gefiel und was dann nicht.
Mit Arbeit war's da eher schweher,
doch seine Pizza war'n Gedicht!

Meistens da - und selten sauer,
das ist Marcus, unser Maurer.
Es setzt nur dann mal einen Hieb,
wenn man ihn mal mit "k" aufschrieb.

"Peschek", das heißt zwar Infanterist -
er aber bei Mini's Befehlshaber ist.
Kurz und gut, den Maurerpranken
ham' wir so manches zu verdanken.

Aus Peschek's Haus kommt auch 'ne Frau,
vergeß' ich's üben - macht sie mich zur Sau.
Nun, das Jugendplan-Design,
dass wird in Zukunft von ihr sein!
Teresa heißt sie, manchmal heftig
und ihre Sprüche sind recht deftig.

Mit wenig Worten kommen aus,
die Leute hier aus Reiprich's Haus.
Und springst Du in's Feuer, Du kannst wetten -
sie wer'n Dich sogar daraus retten.

Busse holen, Hänger bringen -
Sebastian ist top fit in solchen Dingen.
Und wenn's vorm Haus gewaltig knattert,
kommt er mit 'nen 60er Baujahr angerattert.

Wir wären ziemlich oft verhungert,
gäbe es Diana und Marita nicht.
Während wir faul in unserm Loch gelungert,
brachten sie Feuer, Nahrung und auch Licht!

Ich bin mir sicher, auch wenn ich's nie rief -
"Diana! Stille Wasser, die sind tief!"
Doch wenn Marita einmal "Nein, nein, nein!" entscheidet -
wer das zu ändern sucht, der leidet!

Dann gibt's noch Andreas, den Macher, den Alten.
Zwar sind seine Witze manchmal recht spitz,
doch kann er die Fäden in den Händen halten
und selten gibt's dann einen Fitz.

Er hat Ideen - und keine schlechten!
Will auch gleich zum Ziele hechten.
Das ist schon 'ne echte Tugend,
nur hält er seine Meinung gleich für die der Jugend.

Ein herrliches Lächeln (- da täusch ich mich nie)
in der Jugend - das hat sie.
Wo Streit und Hektik ist, gleicht sie es aus
und macht sich auch nie 'nen Lorbeerkranz draus.
Der Jugend, dem Helferkreis (damit der nicht fehle!),
dem gibt die Anja ein gutes Stück Seele!

Seit noch nicht allzu langer Dauer,
betrachtet sich Daniel die Jugend genauer.
Sagt nicht zu allem was; und still
weis er wohl dennoch, was er will.

Vieles ist schlecht und kriegt 'nen Verriss
und schlechte Noten von Sebastian Hiß.
Doch ist das darum nicht entbehrlich,
denn was er sagt, das sagt er ehrlich.
Und ich kann es auch beschwören -
ich habe ihn schon loben hören!

Als Fahrer ist er unentbehrlich -
wenn auch nicht ganz ungefährlich.
Mit einer Beule zahlte er für
die Fahrt durch meine Garagentür!

Ein andrer Fahrer, in Strophe 12 genannt,
hat rückwärts schon ein Verkehrsschild entmannt.
Damit ich nun nicht mehr Zeit verplemper,
weiter geht es im September!
Ich grüße Euch, Schluss mit dem Gegeifer -
"Haltet einander!" ruft Michael Pfeifer.

Michael Pfeifer
(Gemeindereferent in Borna, 1996 - 1999)
 
Salz der Erde oder fade wie ein alter Schuh?
Die Jugendarbeit aus Sicht eines Gemeindereferenten

"Jugend ist die Zukunft, so heißt es, wenn es um Politik geht und so auch beim Erhalt von Traditionen. Die nachfolgende Generation gibt den Alten Hoffnung und Mut, weil sie forscht und fragt, nachdenkt und verändert, sich durch Mauern nicht aufhalten lässt. Mit ihrem ungestümen Drang nach Veränderung fallen Jugendliche aus dem üblichen Rahmen und bestellen so den Nährboden für zukünftige Entwicklungen in der Gesellschaft und in der Gemeinschaft der Völker."

So oder ähnlich beginnt wohl der Traum eines jeden Pädagogen oder Erwachsenen, der mit Jugendlichen und Kindern zu tun hat.

Wirklichkeit oder Illusion?

Ist Jugend wirklich die treibende Kraft in unserer Gesellschaft? Oder ist sie auch bloß ein Teil der großen Verwaltung, die in genauen Bahnen und Plänen abläuft? Oder weiß gar die Jugend nicht um ihre Möglichkeiten und Chancen die Gegenwart zu gestalten, damit Zukunft für sie erträglich wird?

"Kinder an die Macht" hat es Herbert Grönemeyer einmal in einem Song beschrieben. Ist das ein Weg, um die so genannte vernünftige und bis ins kleinste durchdachte Politik auszuhebeln und es dem naiven Denken und Handeln der Kinder gleichzusetzen.

Ich weiß es nicht, aber ein beeindruckendes Beispiel zeigt mir, dass dieses möglich ist. Als zu Beginn des 2. Weltkrieges die Deutschen Soldaten nach Polen einmarschierten, wurden alle Juden in Gettos verbracht. In einem dieser Gettos musste auch die Belegung eines Waisenhauses einquartiert werden. Da gerechnet werden musste, dass die erwachsenen Betreuer in die Arbeitslager verschickt werden oder getötet werden konnten. Suchte man einen Weg, dass das Waisenhaus auch ohne die Erwachsenen weiterbestehen kann. Die Lösung: Es wurde ein "Kinderparlament" gewählt, Aufgaben zugeteilt und Regeln geschaffen, damit die Kinder und Jugendlichen zusammenleben konnten. Dieses Zusammenleben war vor Kreativität und Spontanität geprägt, aber es hatte die Kraft und die Offenheit jedem Kind seine Möglichkeit der Entwicklung zum selbstdenkenden und handelnden Menschen zu geben.

Nun können Kritiker sagen: Ja, das war damals eine Ausnahmesituation, wo jeder ganz eng mit dem Schicksal des Anderen verbunden war. Heute würde so etwas nicht mehr gehen, weil sich jeder im großen und ganzen erst einmal um sich selbst kümmern muss.

Diese Kinder damals waren "Salz für die Erde", denn ihnen gelang ein Zusammenwirken und Gestalten, welches auch heute noch prägt. In jeder pädagogischen Ausbildung hört man hoffentlich von diesem Beispiel, denn es kann Mut und Hoffnung geben, die alltäglichen Eifersüchtigkeiten aus einer anderen Sichtweise sehen zu können.

Von der Vergangenheit zur Gegenwart

Die gerade bestehende Jugend ist immer die schlimmste! So lässt sich das Verhältnis von Erwachsenen und Jugendlichen über Generationen umschreiben. Das was vergangen ist, war besser und intensiver als die Gegenwart. So manches erhält im nachhinein einen Glorienschein und es kann amüsieren, wenn sich ältere Leute über die banalsten Dinge aus ihrer Jugendzeit unterhalten und in ihnen schwelgen.

Nur wie erlebt man die Gegenwart? Wohl aus verschieden möglichen Blickwinkeln: die einen, welche die Gegenwart gestalten und formen und die anderen, die gestaltet und geformt werden, ob sie wollen oder nicht bzw. aus lauter Trägheit und Lustlosigkeit alles mit sich machen lassen, um bloß nicht denken und handeln zu müssen. Und dann gibt es noch eine dritte Möglichkeit: die nämlich, die kritisieren, meckern, sticheln, jedem das Leben zur Last werden lassen, der sich müht.

Jene, die dann, wenn sie angesprochen werden, ihrer Kritik auch Taten folgen zu lassen, immer eine Prüfung, einen wichtigen Termin vorschieben oder dann auf einmal ganz falsch verstanden wurden. Diese Dritten halte ich für die schlimmsten Zeitgenossen unserer Gegenwart.

Nun kann sich jeder ins Herz schauen und suchen, welcher bin ich und wo komme ich da vor. Und jeder wird vermutlich, wenn er ehrlich zu sich selbst ist, einsehen müssen, dass er, mal mehr oder weniger, in jeder Sparte zu finden ist. Nur bei denen der dritten Gruppe glaube ich, gibt es kaum ein Herauskommen aus dem selbstgewählten Schneckenhaus.

So mühen sich die einen, mit redlichem Willen und versuchen ihre Ideen und Ideale, ihre Wünsche und Vorstellungen umzusetzen, um zu gestalten und zu wachsen. Und im scheinbar gleichen Maße versucht der Gegenpart dieses zu stören und die Ideengeister mürbe zu machen. Das alte Bild von Gut und Böse, von Gott und dem Verführer, von Macht und Ohnmacht begleitet die Menschen von Anbeginn ihrer Geschichte an und wird sie auch weiterhin begleiten, denn niemand wird so viel Hirn und Vernunft, Offenheit und Toleranz vom Himmel werfen, dass es für alle Menschen reichen wird.

Trotz dieser düsteren Prognose gab und gibt es Jugendliche, die sich einsetzen und sich nicht von Sprüchereisern einschüchtern lassen. Zum Glück für die Gegenwart! Das ist in den Klassen, genauso wie in Sportvereinen, Jugendclubs und auch in den kirchlichen Gruppen. Man stelle sich einmal vor, bei einer Fußballmannschaft sitzen alle nur noch vor dem Fernseher und schauen sich die Videos ihrer vergangenen Spiele und die Spiele der letzten dreißig Jahre an, ohne selbst noch zu trainieren. Sie würden binnen kurzer Zeit keine Bedeutung mehr in irgendeiner Liga besitzen. Zum Glück gibt es ja da immer noch diejenigen, die mitdenken und vorausschauen.

Zum Glück auch für die Jugendgruppen, in denen sich immer Leute finden, die planen und organisieren, die versuchen mit ihren Mitteln, für ihre Ideen und mit ihrer Verantwortung, richtige Wege zu finden. Oder einfacher gesagt, die den Dreck der Anderen wegräumen, mit der Einsicht: "Wenn das Geschirr nicht abgewaschen wird, müssen wir ab nächster Woche aus der hohlen Hand trinken."

Aber vergleicht man einmal den Sportverein mit einer christlichen Jugendgruppe, so sind da so manche Parallelen zu finden. An manchen Abenden, in Schaukästen und Pinwänden sind Zeugen der glorreichen Vergangenheit zu finden. Spuren von Dingen, die gut und wichtig waren zu ihrer Zeit und die man sich anschauen kann, gleich wie in einem Museum. Da ist dann die Möglichkeit in Erinnerungen zu schweben, zu sehen, was gut gelaufen ist, wo der eine oder andere eine besondere Geschichte erzählen kann. Und man haut sich auf die Schenkel und ähnelt das erste Mal seinen Großeltern, die zahnlos und verbraucht aus ihrer Jugend berichten. Diese Erfahrungen sind wichtig, weil eine Gruppe nicht ohne ihre Geschichte lebt. Sie klebt wie Patex an den Schuhsohlen.

Nur, wie beim Sportverein, ist es ein Zeichen des Endes, wenn Gespräche und das Denken sich immer nur um die Vergangenheit drehen. Erst läuft es sich ein und dann löst es sich auf. "ES" ist die Gruppe, die in der Vergangenheit bleibt und nicht die Gegenwart für die Zukunft gestaltet.

Das Training des Sportvereins ist auch bei einer christlichen Gruppe auffindbar. Wenn Christen von sich sagen lassen können "Ihr seid das Salz der Erde" haben sie vielleicht die Aufforderung von Jesus verstanden (zu finden beim Evangelisten Matthäus 10, 6 - 8). Da steht ein gut durchdachtes Trainingsprogramm für den Christen, der verstanden hat, dass Kirche nur funktioniert, wenn jeder mitgestaltet.

"Wie kann das Training eines jugendlichen Christen denn so aussehen?" könnte man fragen. Wie auch beim Sport bleibt nur der in Form, der übt, sich bewegt, sich immer wieder neue Ziele setzt. Und so auch als Christ. Viele schöne Ziele wurden schon erreicht, als Kind in der Frohen Herrgottstunde, dann Reli und RKW, Erstkommunion und Kinderwallfahrten, so mancher war Ministrant und ist dort gewachsen. Nur schon während der letzten Jahre im Reli empfindet wohl die Mehrheit der Jugendlichen, dieses eher als Last statt als Bereicherung. Und so bleiben manche Christen mit diesem schönen Kinderglauben ihr ganzes Leben lang verbunden, bis zu dem Tag, wenn Krisen diesen Glauben erschüttern oder man die schönen wohlgeformten Bilder nicht mehr, mit dem aufgeklärten Sinn eines Erwachsenen, nachvollziehen kann. Dann träumt man sich entweder, in diese behütete Vergangenheit der kindlichen Einfachheit oder man lehnt den Glauben ab, da der ja nichts mehr mit dem eigenen Leben zu tun hat. Und da ist man der Sportmannschaft dann auch wieder ziemlich gleich. Am Ende steht die Enttäuschung und die Ratlosigkeit und man hat auch gleich einen Schuldigen zur Hand: der Trainer. Denn der spricht nicht mehr meine Sprache, dessen Ideen sind mir fremd und bringen mir nichts.

Nun könnte sich jeder selbst den Spiegel vor sein Gesicht halten und sich fragen, wann habe ich das letzte Mal trainiert? Habe ich in meiner Wissens- und Glaubensbibliothek die Kinderbibel und die Bilderbücher ins unterste Fach gelegt, damit für Neues und Zukunftsweisendes Platz wird? Oder ist es mir doch lieber, dass sich in meiner Glaubensspielbox nichts verändert, da jedes einzelne Teil darin für mich ein Schatz darstellt, der wichtiger ist als jede neue Anschaffung.

Lutz Kinmayer
(Gemeindereferent in Borna, 2000 - 2002)
 
BornaLive Umfrage: "...alles ohne Bezahlung
- und was haste davon...?"
 
 
BornaLive Nr. 6
(August - Oktober 2003)
 
Reise mitten ins Herz von Afrika
Bernadette Schruth will am Viktoriasee mit Behinderten arbeiten

Borna. "Es ist ihr Wunschtraum. Es ist o.k.", tröstet sich Maria Schruth über die Sorgen einer Mutter und die Ungewissheit hinweg, dass sie ihre Tochter zu Weihnachten nur über Telefon sprechen konnte - notfalls auch über das Handy, das Bernadette mit im Gepäck hat, auf dem Weg nach Tansania, Afrika.

Der Himmel trägt schwarz, als die Boeing 747 vom Frankfurter Flughafen abhebt. An Bord kämpft die 19-jährige Bernadette Schruth noch eine Weile mit den Emotionen des Abschieds. Beständig und mit hoher Geschwindigkeit bringt der Flieger sie indes ihren Träumen entgegen.

"Ich bin fasziniert von Afrika. Es ist ein Freiheitssymbol für mich", erzählt die Abiturientin voller Begeisterung. Drei Jahre wartete sie auf eben jenen Moment. "Seitdem habe ich auf diesen Flug gespart", blickte sie vor ihrem kürzlichen Start zurück, bevor sie ihre Gedanken nach vorne richtete - auf das, was sie "im Herzen Afrikas" erwarten würde.

Es war keine Reise ins Ungewisse, wie sie die Entdecker und Missionare unternahmen, die diesen wohl faszinierendsten aller Kontinente im 19. Jahrhundert erschlossen. Schruth hatte sich in diesen drei Jahren, in denen ihr Entschluss reifte, vorbereitet: "Ich habe keine Angst", sagte sie.

In Geita, einem Dorf in der Nähe des Viktoriasees, will sie in einer Schule mit behinderten Kindern arbeiten, sie betreuen und unterstützen. Ein halbes Jahr lang. "Behinderte sind in Tansania nicht in dem Maße akzeptiert wie in Deutschland und haben es deshalb noch viel schwerer", erklärt sie.

Schruth wusste bereits einiges über Afrika. Aus den Medien, von Treffen mit Gästen aus Tansania, die im örtlichen Dekanat des Bistums Dresden-Meißen empfangen wurden und vom Weltjugendtag. "Ich habe viel gehört", fasste die gläubige Katholikin zusammen.

Geschichten, die zu kennen sich lohnt. Wie aus einer Parabel konnte das junge Mädchen Schruth daraus Hinweise für eigenes Verhalten und ihre Vorbereitung ziehen und mögliche Gefahrensituationen abschätzen, die bereits bei der Einreise lauern würden. "In einem Fall weiß ich, dass jemand mehrere Stunden von der Polizei festgesetzt worden ist, weil die auf Grund der Einwegspritzen, die er mitführte, den Verdacht hegten, er sei ein Drogendealer", berichtet die Bornaerin.

Auch sie hatte Spritzen dabei und zusätzlich eine ärztliche Bestätigung, dass die ausschließlich für medizinische Zwecke mitgeführt werden - wichtig in einem Land mit hoher Aidsrate und katastrophaler ärztlicher Versorgung, zumindest außerhalb der großen Städte. "Dort eine saubere Kanüle zu finden, ist ein Kunststück für sich", so Bernadette Schruth.

Gegen viele andere Krankheiten hat sie sich vor ihrer Abreise impfen lassen: Gelbfieber, Typhus, Meningitis. Auch beim Essen ist Vorsicht geraten: "Eine wichtige Regel heißt zum Beispiel: 'Schäl es, koch es oder vergiss es.'", repetiert sie diesen wahren wie einprägsamen Spruch der Trekker.

Das alles und selbst die hohe Malariagefahr, eine Krankheit, gegen die es keine Impfung gibt, schreckten den Teenager nicht ab. "Es gibt viel für mich zu lernen", war sie beeindruckt. Ob das Handy notfalls funktionieren würde, wusste sie nicht. "Das Netz wird zumindest während der Regenzeit öfter mal zusammenbrechen", vermutete sie, während das Flugzeug unaufhaltsam Richtung Süden zog.

Michael Heinrich, Leipziger Volkszeitung
(7. Januar 2006)
 
Brot backen und Kinder unterrichten auf "Safari" in Kenia
Studentin mit Bornaer Wurzeln geht für elf Monate als freiwillige Helferin nach Ostafrika

Borna. In Kisuaheli, der zweiten Amtssprache Kenias, heißt "Reise" Safari. Konstanze Richter, die aus Borna stammt, begibt sich Mitte September auf "Safari" nach Kenia. Allerdings wird sie nicht in Nationalparks auf Pirschfahrt gehen, sondern von Nairobi aus direkt ins westkenianische Dorf Rabuor reisen. Dort beginnt ihr elf Monate dauernder Freiwilligendienst in einem Projekt der Kolping-Jugendgemeinschaftsdienste (JGD). Dafür betreibt die Bornaerin mittlerweile eine eigene kleine Spendenkampagne.

Ob sie in Kenia beim Unterricht der Grundschulkinder helfen wird, im Kindergarten mitarbeitet oder in der Brot-Bäckerei vor Ort, kann die 19-jährige jetzt noch nicht sagen. Dass aber eine arbeitsreiche Zeit in dem gemeinnützigem Projekt auf sie wartet, ist ihr klar. "Ich bin gespannt auf die Lehrer und Schüler und ihren Umgang miteinander, auf die Mentalität der Leute, auch auf die Arbeit der Sozialarbeiterin dort", gibt Konstanze Richter an. Sie selbst studiert seit einem Jahr Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Wohlfahrtswissenschaft an der TU Dresden und hat schon viel gehört über den rauen Umgang an afrikanischen Schulen: "Ich erwarte allerdings, dass es an dieser Schule friedlicher zugeht."

Die Kolping-JGD betreiben in Rabuor nahe Kisumu am Victoriasee ein entwicklungspolitisches Hilfsprojekt, das als Anlaufstelle für Waisenkinder, alleinerziehende Mütter und Witwen funktioniert. "Umbrella Widows and Orphans" betreut etwa 270 Kinder und zahlreiche Frauen. Neben Schulunterricht in Englisch, Deutsch und Mathematik für die Kinder dienen Handarbeitsprojekte dazu, die Frauen finanziell selbstständig zu machen.

Konstanze Richter sammelt für ihren Freiwilligendienst Spendengelder, das ist eine Vorgabe der Kolping-JGD. Allerdings kein Muss, wie Jana Kortum vom Kölner Büro des Freiwilligendienstes betont, sondern vor allem wichtig, um den Dienst selbst zu finanzieren. Die Gelder fließen in die Arbeit vor Ort, in die Gastfamilien, bei der die Freiwilligen untergebracht sind, und in die Entsende-Organisation, die etwa mit Vorbereitungsseminaren begleitend tätig wird. Weltwärts, der entwicklungspolitische Freiwilligendienst des BMZ, übernimmt dabei schon etwa 70 Prozent der anfallenden Kosten. 1.650 Euro hat sich Konstanze Richter bis September als Richtwert gesetzt.

Bis dahin gibt es jedoch auch vieles anderes vorzubereiten - und das mitten in den Endjahres-Prüfungen an der Universität. "Zurzeit springe ich in Gedanken ständig zwischen Kenia und Dresden hin und her", berichtet die angehende Sozialpädagogin. Ein gewagter Sprung. Immerhin: Ein Moskitonetz ist besorgt, der Reisepass beantragt, und sie hat alle Impfungen erhalten. Ihr Kolping-Spenden-Konto hängt da mit seinem 500-Euro-Stand etwas hinterher. Auch steht ein zehntägiges Vorbereitungstreffen in Bonn an, das für alle Freiwilligendienstleistenden auch anderer Organisationen Pflichtprogramm ist. Trotzdem ist die Studentin froh, dass es dieses Jahr doch noch geklappt hat mit dem Auslandsdienst. Die Bewerberzahlen dafür übersteigen seit Jahren die Plätze bei den zuständigen Hilfsorganisationen.

Das ostafrikanische Kenia ist mit seinen mehr als 40 verschiedenen Volksgruppen vorwiegend christlich geprägt. Auch die Gastfamilie von Konstanze Richter in Rabuor legt Wert auf den gemeinsamen Gottesdienst. Darauf ist die Bornaerin ebenfalls sehr gespannt. Immerhin gestaltete sie schon in Borna die katholische Jugend in leitender Position mit. Den christlichen Glauben in afrikanischer Prägung kennenzulernen, wird wichtiger Teil ihrer interkulturellen Erfahrung werden.

Franziska Herbst, Leipziger Volkszeitung
(30. Juli 2012)
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Letzte Änderung am:
12.05.2013